Natio­na­le unter­schied­li­che Umset­zun­gen und Voll­zugs­pra­xis zei­gen: Mehr Euro­pa in der Ver­kehrs­po­li­tik nötig

Am 19.November habe ich gemein­sam mit dem Geschäfts­füh­rer der Bun­des­spar­te Trans­port und Ver­kehr in der WKÖ mit zahl­rei­chen Machern in der Euro­päi­schen Ver­kehrs­po­li­tik gespro­chen und aktu­el­le Pro­ble­me aus Sicht der Bran­che auf­ge­zeigt.
Ich tei­le die Mei­nung von EU-Kom­mis­si­ons­chef Juncker, dass die Pro­ble­me Euro­pas nicht auf die lan­ge Bank gescho­ben wer­den kön­nen und dass die­se EU-Kom­mis­si­on “die letz­te Chan­ce” dar­stellt, um das ver­lo­re­ne Ver­trau­en der Bür­ger zurück­zu­ge­win­nen.

Mehr Euro­pa in der Ver­kehrs­po­li­tik

Wir brau­chen mehr Euro­pa in der Ver­kehrs­po­li­tik, um natio­na­le Allein­gän­ge der Mit­glied­staa­ten zu ver­hin­dern und ein­heit­li­che Rechts­set­zung und Durch­set­zung zu gewähr­leis­ten. Die unter­schied­li­che Umset­zung von EU-Recht in Mit­glied­staa­ten führt zu Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen, die besei­tigt wer­den müs­sen. So ist es unbe­frie­di­gend, dass bei­spiels­wei­se Frank­reich und Bel­gi­en die Abhal­tung der regel­mä­ßi­gen Ruhe­zeit in der Schlaf­ka­bi­ne ver­bie­ten und Ver­stö­ße rigo­ros sank­tio­nie­ren. Öster­rei­chi­sche Wei­ter­bil­dungs­nach­wei­se der Berufs­kraft­fah­rer wer­den zum Teil in ande­ren Mit­glied­staa­ten (Polen, Tsche­chi­en, Slo­wa­kei, Ungarn,…) nicht aner­kannt. Unter­schied­li­che Füh­rer­schein­num­mern auf Füh­rer­schein und Fah­rer­kar­te berei­ten in eini­gen Mit­glied­staa­ten bei Kon­trol­len Pro­ble­me. All das, obwohl es eigent­lich har­mo­ni­sier­te EU-Vor­schrif­ten in die­sen Berei­chen gibt.

Alexander Klacska und Erik Wolf

Auch wer­den von den Mit­glied­staa­ten immer wie­der neue admi­nis­tra­ti­ve Hin­der­nis­se trotz Bin­nen­markt ein­ge­führt, wie z.B. das in Ungarn geplan­te „Elek­tro­ni­sche Kon­troll­sys­tem für den Land­ver­kehr. Auch hier soll ein kom­pli­zier­tes Mel­de­sys­tem (vor­weg; Daten die teils erst unmit­tel­bar vor Sen­dungs­ab­gang fest­ste­hen wie Kfz-Kenn­zei­chen) ein­ge­rich­tet wer­den. Auch die unter­schied­li­che Hand­ha­bung von grenz­über­schrei­ten­den Mehr­wert­steu­er­zah­lun­gen v.a. in Slo­we­ni­en, Kroa­ti­en und Polen stellt Unter­neh­men vor gro­ße Pro­ble­me.

 

 

Daher for­dert die BSTV bei­spiels­wei­se

  • intel­li­gen­te Regu­lie­rung bei den Rege­lun­gen über das EU-Kon­troll­ge­rät. Der prak­ti­sche Umgang mit digi­ta­lem und ana­lo­gem Kon­troll­ge­rät muss euro­pa­weit ein­heit­lich gestal­tet und ins­ge­samt ver­ein­facht wer­den. Ein wich­ti­ger Schritt wären Aus­nah­me­re­ge­lun­gen für die An- und Ablie­fe­rung von Bau­ma­te­ria­li­en im Bau­stel­len­ver­kehr
  • EU-weit mög­lichst ein­heit­li­che Rah­men­be­din­gun­gen für Maut­ge­büh­ren
  • die rasche Beschluss­fas­sung zur Ände­rung der RL 96/53/EG zur Anpas­sung der Abmes­sun­gen und Gewich­te von Lkw und Auto­bus­sen.
  • EU-weit ein­heit­li­che Abgas­klas­sen­kenn­zeich­nung für Umwelt­zo­nen, um der zuneh­men­den Zahl von „Pickerln“ auf der Wind­schutz­schei­be ent­ge­gen­zu­wir­ken
  • eine gene­rel­le Aner­ken­nungs­pflicht in der Berufs­kraft­fah­rerRL (RL 2003/59/EG) für Wei­ter­bil­dungs­be­stä­ti­gun­gen durch ande­re EU-Mit­glied­staa­ten fest­ge­legt wer­den.
Alexander Klacska und Erik Wolf

Zur Stär­kung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Euro­päi­schen Unter­neh­men ist gene­rell bei der Rechts­set­zung auf stär­ke­re Pra­xis­nä­he sowie auf betrieb­li­che Abläu­fe Rück­sicht zu neh­men. Ein wei­ter wie bis­her, ist ange­sichts der unzäh­li­gen pro­ble­ma­ti­schen Ent­wick­lun­gen undenk­bar.
Abseits der unzäh­li­gen Initia­ti­ven (Stich­wort: Bet­ter Regu­la­ti­on, sie­ben Jah­ren Anti-Büro­kra­tie-Beauf­trag­ter der EU etc.) möch­te ich Junckers Wor­te erneut zitie­ren, der „die letz­te Chan­ce”, um das ver­lo­re­ne Ver­trau­en der Bür­ger zurück­zu­ge­win­nen (ergänzt um die vie­len KMU-Unter­neh­mer) aus­ruft.
Die Har­mo­ni­sie­rung und unter­schied­li­che Voll­zugs­pra­xis ist für die Trans­port­wirt­schaft eine gro­ße Bür­de und dem­entspre­chend schimpft die Bran­che zu Recht auf ‚die da in Brüs­sel‘.